8. Februar 2010 um 15:36

Metadaten in Fotos

Autor: Marc Koschel abgelegt unter Fotografie (4 Kommentare)

In meinem letzten Artikel Den Fotobestand organisieren habe ich beschrieben, welche Möglichkeiten Softwareprogramme zur Bildverwaltung bieten. Neben der Selbstorganisation (Fotos aussortieren und löschen) ist es z.B. hilfreich seine Fotos zu bewerten und zu verschlagworten. Die Bildverwaltungsprogramme bieten hierzu normalerweise unterschiedliche Möglichkeiten an. Ebenso lassen sich Fotos in (virtuellen) Alben oder Ordnern einsortieren, so dass man seine Bilder schnell wieder finden kann. Besonders komfortabel sind sogenannte intelligente Alben oder Smartalben, die auf Grundlage unterschiedlicher Kriterien sich automatisch aktualisierende Alben erstellen können.

Unterschiedliche Metadaten

Die Daten, die man in den Fotoverwaltungsprogrammen speichert, können sehr vielfältig sein. Von Bewertungen, über Schlag- oder Schlüsselwörter zu Angaben über den Fotografen, von Aufnahmedatum, über GPS-Koordinaten und Aufnahmeort zu Bildeigenschaften wie Blende oder Verschlusszeit lässt sich alles zu einem digitalen Foto speichern. Ein Problem ergibt sich nur, wenn man das Programm wechselt und alle Daten müssen in dem neuen Programm erneut eingegeben werden. Hilfreich ist es, wenn die Informationen direkt in der Bilddatei, im Foto selbst, gespeichert sind – in den sogenannten Metadaten.

Welche Metadaten sind in Fotos gespeichert?

Metadaten sind Informationen, die in einer digitalen Bilddatei zusätzlich zu dem eigentlich Foto gespeichert werden können. Leider gibt es keinen einheitlichen Standard für Metadaten in digitalen Bildern.1) Zwar können einige der Softwarelösungen mit allen oder zumindest mit mehreren Metadatentypen umgehen. Aber es ist Vorsicht geboten, damit man sich nicht seine mühevolle Arbeit und die gepflegten Daten zunichte macht. Dirk Metzmacher hat dies bereits 2006 in seinem Artikel Metadaten in Fotos erläutert.
Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Typen oder Arten von Metadaten. Diese sind:

  • Exif
  • IIM bzw. IPTC
  • XMP

Exif – Exchangeable Image File Format

Im Exif-Standard wird das Format festgelegt, in welchem moderne Digitalkameras (aber auch z.B. Fotohandys) Informationen in den digitalen Fotos ablegen können. Wer schrieb sich nicht bei der analogen Fotografie zu jedem Bild die Einstellungen seiner Kamera (Blende, Verschlusszeit, Brennweite, etc.) auf, um so hinterher analysieren zu können, wie ein optimales Foto zustande gekommen ist oder wäre. Dies ist heute nicht mehr notwendig, denn genau diese Informationen werden in den Exif-Daten gespeichert. Zum Beispiel werden Objektiv, Datum, Brennweite, Belichtungsprogramm, Auflösung, Belichtungskorrektur, Belichtungszeit, ISO, Blende bzw. Blitz gespeichert. Leider werden die Exif-Daten von den Kameraherstellern nicht einheitlich verwendet und es können von Kamera zu Kamera unterschiedliche Daten gespeichert sein. Die offiziellen Exif-Spezifikation mit Beispielen kann man auf Exif.org (englisch) nachlesen.2) 3)

Aktuelle Softwareprogramme können die Exif-Daten lesen und anzeigen. Es gibt sogar für den Browser Firefox Erweiterungen, die die Exif-Daten anzeigen können (z.B. FxIF oder Exif Viewer). Ändern oder Ergänzen von Exif-Daten bieten die meisten Softwareprogramme nicht an. Ebenso muss man Acht geben, wenn man das Foto in einem anderen Format abspeichert, welches keine Exif-Informationen unterstützt, da diese dann verloren gehen, selbst wenn man es hinterher zurück wandelt.
Daher ist es wichtig immer eine Kopie der Originaldatei aus der Kamera als Sicherheitskopie zu behalten (vgl. Workflow für Fotografie am Mac).

IIM – Information Interchange Model

Das IIM oder auch der IPTC-NAA-Standard (kurz oft nur IPTC) wurde Anfang der 90er Jahre vom IPTC (International Press Telecommunications Council) und der NAA (Newspaper Association of America) festgelegt. Inzwischen hat sich IPTC als Bezeichnung dieser Metadaten durchgesetzt und lässt sich so in den verschiedenen Softwareprogrammen wiederfinden.

IPTC – IPTC-NAA-Standard

Die IPTC-Daten dienten ursprünglich als Standard für den Austausch von Informationen zwischen den Medien-Organisationen. Dies beschränkte sich zunächst nicht nur auf Informationen zu Fotos (auch heute noch nicht). Die Firma Adobe sah jedoch in den IPTC-Daten eine gute Grundlage und übernahm Teile der im Standard beschriebenen Felder in ihrem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop zur Eingabe von bildbeschreibenden Informationen.
Inzwischen können alle bekannten Bildverwaltungsprogramme IPTC-Daten (z.B. Hinweise zu den Bildrechten, Namen des Autors, Titel oder Schlagwörter) speichern.

XMP – Extensible Metadata Platform

Anfang des neuen Jahrtausends entwickelte die Firma Adobe einen neuen auf XML basierenden Standard. Zwar hat Adobe den Standard offen unter einer Open-Source-Lizenz gelegt. Dennoch musste man befürchten, dass mit der Zeit ähnliche Einschränkungen wie bei den zunächst offenen Formaten PSD und PDF zu befürchten seien. Deshalb stellte Adobe spätere Versionen unter einer BSD-Lizenz zur Verfügung.

Was fängt man nun mit Exif, IPTC und XMP an?

Man überlegt sich, wofür man sie verwenden will und macht sie sich zu nutze. Dabei solle man sich jedoch einige grundlegende Gedanken machen. Die Gefahr besteht nämlich, dass beim Bearbeiten eines Fotos oder einer Bilddatei in mehreren unterschiedlichen Programmen Informationen verloren gehen bzw. gelöscht oder überschrieben werden. Daher ist es aus meiner Sicht wichtig, sich vorher einen geanu definierten Arbeitsablauf (Workflow) anzueignen, der den Import (Filesystem oder direkt in ein Bildverwaltungsprogramm) und die Sicherungskopien des Originalbildes (vorzugsweise RAW-Format) mit den kameraeignen Exif-Informationen beinhaltet. Die Ergänzungen der IPTC oder XMP Daten sollte dann in einem Softwareprogramm vorgenommen werden. Aus diesem Programm sollten dann die Exporte (Email, Abzüge, Webgallerien) mit den ergänzten Metadaten erfolgen. Es ist natürlich auch möglich mit mehreren Softwareprogrammen zu arbeiten, dabei sollte man aber vorher sicherstellen, dass die Programme die gleiche Implementierung der Metadaten unterstützen.4)

Zusammenfassung und Ausblick

Die Metadaten (Exif, IPTC und XMP) in digitalen Fotos und Bildern helfen uns Informationen zu den Fotos in den Bilddateien zu speichern. Neben den Einstelleungen der Kamera zu einem Bild oder den Ortsinformationen (Exif) lassen sich auch weitreichendere Informationen zu den Umständen des Fotos direkt in den Bilddateien speichern (IPTC/XMP). All diese Informationen unterstützen uns in der Organisation der Massen von Fotos auf unseren Rechnern. Diesen Komfort erhält man jedoch nur bei hinreichender Pflege der Daten. Des Weiteren muss man sich gut überlegen mit welchen Programmen man ein Foto weiterverarbeiten möchte, da die Metadaten unterschiedlich in Softwareprogrammen implementiert sind und bei unüberlegtem Speichern von Fotos Daten verloren gehen können.

In einem weiteren Artikeln (IPTC-Daten) gehe ich genauer auf die IPTC-Daten ein und erläutere, welche Informationen in den Fotos gespeichert werden können.

Fußnoten

  1. Die Metadata Working Group (MWG) ist ein Konsortium, in dem sich verschiedene einflussreiche Soft- und Hardware-Hersteller der Digital Media-Branche zusammengefunden haben, um die teilweise widersprüchliche Verwendung von Metadaten in Bilddateien zu vereinheitlichen. Die Initiative wurde 2006 von Microsoft eingeleitet, im Jahre 2007 traten Adobe, Apple, Canon und Nokia bei, 2008 folgte Sony. Ziel ist nicht, bestehende Standards wie IPTC-NAA-Standard, Exif oder XMP zu ersetzen, sondern deren sinnvolle Nutzung durch ein übergreifenden Rahmen abzusichern (Seite „Metadata Working Group“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Juni 2009, 10:24 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Metadata_Working_Group&oldid=61028851 (Abgerufen: 8. Februar 2010, 12:56 UTC) ).
  2. Exif-Spezifikation: www.exif.org/specifications.html
  3. Beispiele von Exif-Implementierungen: www.exif.org/samples.html
  4. Dirk Metzmacher erklärt dies in Metadaten in Fotos folgendermaßen:

    “Nehmen wir an, dass zuerst in Photoshop die Metadaten relativ ausführlich eingegeben werden. Damit entsteht ein XMP- und ein IPTC-Bereich. Wer jetzt in ThumbsPlus einige IPTC-Daten ergänzt sorgt unbewusst dafür, dass der XMP-Bereich gelöscht wird, da dieser von der Software nicht unterstützt wird.”

Kommentare

4 Kommentare »»

  1. IPTC-Daten | koschel.IT

    Pingback vom 15. Februar 2010 um 16:44

    [...] Metadaten in Fotos [...]

  2. Aperture vs. Lightroom: Top 10 Features Aperture 3 | koschel.IT

    Pingback vom 13. April 2010 um 15:40

    [...] Artikel vom 08.02.2010 und Artikel vom [...]

  3. Manfred Baack

    Kommentar vom 22. Juni 2010 um 20:12

    Ich bin beim Suchen eines hierarchischen Schlagwortkataloges für Fotografie auf diese (sehr gute) Seite gestoßen. Gibt es irgenwo im Internet so ein Schlagwortverzeichnis? Ich suche weiter.

  4. Marc Koschel

    Kommentar vom 23. Juni 2010 um 13:09

    Hallo Manfred,

    es gibt vom IPTC einen offiziellen Katalog “Descriptive NewsCodes“. Dies ist kein Schlagwortkatalog im eigentlichen Sinn, sondern soll für die IPTC-Datenfelder IPTC-Scene Code und der IPTC-Subject Code verwendet werden.
    Die Webseite Controlled Vocabulary bietet einen hierarchischen Schlagwortkatalog für verschiedene Softwareprogramme an. Diese sind aber nicht gerade billig.

    Man findet einige weitere Websites, die einen Katalog anbieten. Eric Scouten erklärt dies z.B. auf seinem Blog im Artikel Lightroom 2 Technique: Staying Organized with Controlled Vocabulary, in dem er aber auch wieder auf David Rieck’s Katalog verweist. Die meisten Kataloge sind allerdings in Englisch.

    Wenn du einen guten Katalog gefunden hast, würde ich mich freuen, wenn du dies hier mitteilen könntest.

    Gruß Marc

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